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Karlsruhe / LEARNTEC 2018

Tag der Medienkompetenz: Karlsruhe / LEARNTEC 2018

Werden Maschinen bald die Macht übernehmen?

Was uns die technologische Entwicklung bringt und wie die Schule sich darauf einstellen könnte

Wissen Sie, was „exponentiell“ bedeutet? Es war eines der meist gebrauchten Worte beim Medienkompetenztag in Karlsruhe am 1.Februar 2018. Dabei geht es um nahezu unbegrenzte Steigerungen, gigantisch und ab einem bestimmten Punkt nicht mehr vorhersagbar. Worum ging’s? Um das exponentielle Wachstum von Daten, von rasant sich wandelnden Technologien – exponentiell eben - und einer immer intensiveren Vernetzung von uns untereinander, von den Dingen untereinander und von den Dingen mit uns.

Was kommt in der Zukunft? Technologie, Datenwachstum, Vernetzung!

Hans-Joachim Köppen, Technical Leader einer Abteilung ‚Internet oft the things‘ bei IBM beschrieb die derzeitige und künftige Entwicklung anhand von drei Hauptbegriffen: Technologie, Datenwachstum, Vernetzung. Und in allen drei Bereichen verlaufe die Entwicklung exponentiell. „Wir haben jetzt schon mehr Dinge, die mit dem Internet verbunden sind als Menschen, die mit dem Internet verbunden sind“. Und er prognostizierte, dass die digitale Vernetzung in nahezu jedem Wirtschaftsbereich eine Rolle spielen wird.

Die Technologien treiben die Digitalisierung aller Lebensbereiche voran. Stichworte sind hier: Blockchain, Künstliche Intelligenz, Cloud, Data-Analytics, Mobile, Soziale Netzwerke. „Und diese Technologien greifen alle ineinander. Mit ihnen können wir neue Werte und neuen Nutzen schaffen“, ist Joachim Köppen überzeugt. Und viele der Innovationen werden sich „disruptiv“ auswirken, das heißt sie werden bestimmte Arbeitsplätze bzw. Tätigkeiten überflüssig machen und so manches Produkt vom Markt verdrängen. „Erinnern Sie sich noch an die gebundenen Brockhaus-Ausgaben? Sie wurden längst von Wikipedia verdrängt“, nennt Köppen als Beispiel.

KI ist nichts anderes als Statistik, Analyse und Mustererkennung

Künstliche Intelligenz – kurz KI - ist derzeit in aller Munde und schon fragen sich Wissenschaftler, Politiker und auch viele Einzelpersonen ob Maschinen bald die Macht übernehmen. „Ich bezweifle das“, betont Hans-Joachim Köppen. Allerdings stelle sich schon die Frage, was die Menschen noch machen, wenn Maschinen alles tun. KI ist nichts anderes als Statistik, Analyse und Mustererkennung. „KI kann das sehr schnell, wir Menschen können das nicht. Daher stellt KI Hilfsmittel zur Verfügung, die riesige Informationsmengen auswerten und passgenau zu uns bringen“, so Köppen. Auch hier seien die Einsatzszenarien vielfältig – in Wissenschaft, im Gesundheitswesen, im Maschinenbau genauso wie bei Rechtsanwälten, Rechenzentren oder auch in der Filmindustrie. Die Aufzählung zeigte, dass im Grunde alle Bereiche von Wirtschaft, Wissenschaft, Gemeinwesen und Alltag von den neuen Technologien erfasst und verändert werden.

Und wie sollten wir darauf reagieren? „Es ist nicht nötig, dass wir alle zu kleinen Programmierern machen“, so Köppen. Wir sollten vielmehr breite Befähigungen ausbilden, Wissen und Methoden-Kompetenz vermitteln, Urteilsfähigkeit schaffen, ermöglichen Kontexte zu verstehen, die Dinge einordnen und die Schlussfolgerungen mitteilen zu können. Es komme darauf an, Wissen zu teilen, Fehler zuzulassen und daraus zu lernen, Neugier und Experimentierfreudigkeit seien gefragt.

„Ein gutes Fundament besteht eher aus etwas mehr Philosophie als Programmierfähigkeiten. Das bringt Kinder hervor, die uns helfen, unseren Wohlstand zu sichern“, so Hans-Joachim Köppen.

Trends, die die Schule revolutionieren

Bei so viel Veränderung und Innovation stellt sich immer die Frage, wie die Schule darauf reagieren kann oder soll. „Auch in der Schule“, so prophezeite Prof. Dr. Olaf-Axel Burow, „erleben wir einen disruptiven Wandel. Es wird und muss sich einiges ändern, denn wir leben nicht mehr in früheren Jahrhunderten, die bisher prägend waren für Schule und Lernen“.

So gehe etwa das Zeitalter des Auswendiglernens zu Ende. Gefragt sei vielmehr Urteilsfähigkeit und Kreativität. Immer häufiger könnten spielerische digitale Elemente in den Unterricht einbezogen werden. Spiele seien schon per se binnendifferenziert aufgebaut und erlaubten eine spielerische Lösung von Problemen. Algorithmen könnten außerdem Lernwege für Schülerinnen und Schüler aufzeigen, denn diese benötigen ein Navigationssystem, das ihnen Lernwege aufzeigt sowie maßgeschneiderte Aufgaben zur Verfügung stellt. „Fabrikmäßige Massenpädagogik muss durch personalisierte Pädagogik ersetzt werden“, forderte Burow.

Weniger Instruktion im Klassenraum

Auch der Anteil der Instruktion im Klassenraum gehe zurück, diese werde stärker digitalisiert, etwa durch Flipped-Classroom-Ansätze. Es werde mehr Partner- oder Gruppenarbeit geben, für die „wir dann auch räumliche Flexibilität brauchen“. Menschen bräuchten eine anregende Umgebung um zu lernen, so Burow. Künftig müsse die Verbindung von Wissen, Haltung und Handlung, inklusive einer Persönlichkeitsbildung, im Mittelpunkt stehen. Die reine „Wissenshuberei bringt überhaupt nichts, denn das was für den einzelnen Schüler nicht persönlich bedeutsam ist, ist innerhalb von zwei Jahren vergessen“, betonte Professor Burow.

Bei weiteren positiven Ansätzen wie Gesundheitsorientierung und Demokratisierung bezog sich Olaf-Axel Burow dann aber doch wieder auf frühere Gelehrte und plädierte schließlich auch für eine Glücksorientierung in bundesdeutschen Schulen. Dabei bezog er sich auf Ernst Christian Trapp (1780) „Erziehung ist Bildung des Menschen zur Glückseligkeit“ und John Dewey (1930) „Herauszufinden, wozu man sich eignet und eine Gelegenheit zu finden, dies zu tun, ist der Schlüssel zum Glücklichsein“.

Dabei gehe es um nichts weniger als Lebenskompetenz zu entwickeln, die Kinder durch ein gelingendes Arbeits- und Privatleben trägt.

Text: Ingrid Bounin

Kontakt

Medienpädagogische Beratungsstelle
0711 2850-777
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